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Besuch im Internationalen Radio Museum in Bad Laasphe
Bad Laasphe liegt im südöstlichsten Winkel Nordrhein-Westfalens nur wenige Kilometer von der Landesgrenze zu Hessen entfernt. Die Erreichbarkeit leidet, weil die europäische Magistrale Aachen-Dresden, die A4, zwischen Olpe und dem Kirchheimer Dreieck immer noch eine Lücke aufweist. Von Siegen oder von Marburg sind es also ein paar Kilometer durch herrliche Natur bis nach Bad Laasphe, wo die Lahn noch jung ist. Mitten im Ort prangt an einem alten, ich würde sagen, Schulgebäude das Schild "Radiomuseum".
Sonntag Nachmittag öffnet das Museum von 14.30 bis 17.00 Uhr. So verbleibt noch etwas Zeit. Diese 1½ Stunden nutzen wir zu einem Besuch auf der Sackpfeife im benachbarten Hessen. Auf einem 674 m hohen Berg steht der Sender Biedenkopf des Hessischen Rundfunks. Die Spitze des 224 m hohen UKW-Antennenmastes zerkratzt die dichte Wolkendecke. Zeitweise ist die Spitze der Antenne nicht zu sehen. Nebenan auf der Hütte, neben der Bergstation des Skilifts, kann man Mittag essen oder bei einem Kaffee sich aufwärmen.
Schon wird es Zeit nach Bad Laasphe zurück zu kehren, denn es gibt im Museum viel zu sehen. 3000 Geräte der Rundfunktechnik sollen es sein. 1000 davon sind ständig ausgestellt. Das Guinness Buch der Rekorde spricht von der weltweit umfangreichsten Sammlung.
Vom "Schulhof" führt der Aufgang in die erste Etage. Schon auf der Treppe lächeln mich alte Fernseher auf jeder Stufe an. Da kommt die Erinnerung an meinen Großonkel auf, der in den 50er Jahren einen der ersten Fernsehapparate hatte. Am Samstag Nachmittag traf sich die ganze Verwandtschaft in seinem Wohnzimmer um den "Blauen Bock" zu verkonsumieren.
Auf dem obersten Treppenabsatz angekommen, blicken wir etwas hilflos nach links und rechts und schon löst sich aus dem Halbdunkel eine hagere Gestalt und kommt auf uns zu. Der spricht etwas von "Eintritt" und "kommen Sie hier lang". Pro Person 3 Mark und für Jugendliche nur 2 Märker. Dies lässt sich ertragen.
Ein paar sachkundige Fragen, schon sind wir beim Thema. Die Mittelwelle ist ja fast tot. Langenberg reduziert, Hessen reduziert. AFN kaum noch. Und der Pegel mit Störungen (Noise), durch Computer, PLC und anderes wird auch immer schlimmer. Vorschnell habe ich mich als Computermann geoutet. "Die Dinger sollte man alle aus dem Fenster werfen".
Vorsichtig frage ich mal an. Ja es ist der Meister persönlich, - Hans Necker. Der Herr über 3000 meist Röhrengeräte freut sich über soviel Sachkunde und sprudelt fast über. Natürlich darf ich fotografieren, aber nur unkommerziell.
Die Empfänger sind teilweise "Asbach-Uralt". Eine echte Ordnung, etwa nach Zeitepochen, nach Militär- und Wohnzimmerempfänger kann ich nicht ausmachen.
Wohl gibt es eine Unterscheidung zwischen deutschen und ausländischen Geräten.
Lange Gänge führen durch die Regalreihen in denen die Geräte 5 Etagen übereinander aufgestellt sind.
Vom Siemens "D-Zug" aus dem Jahre 1923, über zahlreiche "Goebbels-Schnautzen", wie die Volksempfänger genannt wurden, bis zum Stereo-Gerät der 60er-Jahre finden sich alle Arten von Empfängern: Detektoren, Audion-Empfänger und Superhets, es ist alles da.
  
Es finden sich Rahmenantennen in jeder Größe, eingebaut in Bilderrahmen oder, wie wir sie heute kennen, als Peilgeräte für den Rundfunkempfang. Noch nie sah ich die Rahmenantennenfolie des Evangeliumsrundfunk, die man einfach neben den Kofferempfänger gestellt hat. - "Ist noch gar nicht so lange her", sagt Hans Necker.
Radios im Lampenschirm eingebaut, Lautsprecher im Schirmständer oder unter der Tischplatte, so etwas habe ich noch nicht gesehen. Oder kennen Sie eine Kreuzung aus mechanischer Uhr und Lautsprecher? Hinter dem Ziffernblatt verbirgt sich der Schallerzeuger.
Bevor Tonbandgeräte aufkamen wurde Musik auf Stahldraht aufgezeichnet. "Die Geräte waren sehr störanfällig", lässt mich Herr Necker wissen und führt mich zum Tefifon. In eine Musiktruhe eingebaut findet sich die Kreuzung zwischen Schallplatte und Kassettengerät. In ein Kunststoffband sind Rillen eingegraben, wie bei einer Schallplatte. 4 Stunden Musik gehen auf eine Kassette und während er mir die Funktionsweise erklärt setzt er die Nadel in die Rille der Musikkassette.
Einfach irre was sich Tüftler so alles einfallen ließen.
In den Regalen finde ich auch die Träume meiner Jugend. So steht da ein Braun T 1000, den ich mir als junger Bursche nicht kaufen konnte. Verächtlich sagt der Besitzer des Museums: "Transistorgerät". Mein TRIO 9R59 hätte ihm da sicherlich besser gefallen.
Nun entdecke ich einen Geloso-Empfänger im Regal. Auch dies war einmal mein Traum.
Zwischendurch interessiert mich einfach wie lange der Radiobesessene denn nun schon sammelt. Es stellt sich heraus, dass er 1952 im Alter von 6 Jahren sein erstes Radio bekam. Als kaufmännischer Angestellter hat er viel Zeit und bestimmt auch manche Mark in die Sammlung investiert.
Als ich darauf zu sprechen komme, dass ich noch ein Elektronik-Bastelbuch aus den 20er Jahren, von der Franck'schen Verlagsbuchhandlung besitze, da öffnet mir Herr Necker sein privates Reich. Hier finde ich die Bücher aus meiner Jugend wieder, etwa die Bücher "Radiotechnik für Alle" oder "Elektrotechnik für Jungen" von Heinz Richter.
 In diesem Raum steht auch ein Empfänger, der ehedem dem deutschen Seewolf Graf Luckner gehört haben soll, jener, der mit bloßen Händen Telefonbücher zerreißen konnte. Das Gerät ist heute auf der Welt wahrscheinlich das letzte Exemplar.
Im nicht-öffentlichen Teil der Sammlung steht auch ein Nachbau der Nipkow-Apparatur mit der schon in den 20er Jahren erste "Fernsehbilder" übertragen wurden.
Ein Schul-Empfänger von Phywe fristet hier sein Dasein. Damals konnte man auf dieser Lehrtafel Röhrenschaltungen zum Empfänger verdrahten.
Meine Begeisterung findet kein Ende. Die Familie hat sich längst "abgeseilt" und ist dem muffigen Geruch der Speicher und Abstellböden entflohen. Ich könnte noch Stunden hier verbringen.
Es ist bald 17 Uhr. Der Meister nimmt mich noch mit in seine Wohnung über dem Museum. Dort ist seine Werkstatt untergebracht. Der Empfänger aus Australien, der erste in der Sammlung, kommt gerade vom Schreiner, wurde restauriert und neu lackiert.
Jetzt habe ich aber noch keines der zahlreichen Fernsehgeräte richtig inspiziert. Da hilft nur eines, ich muss wiederkommen.
Ins Gästebuch muss ich mich auch noch eintragen. Warum ist Herr Necker nicht Mitglied der zahlreichen Hörerklubs?
Warum weist im Museum keine Tafel auf unser schönes Rundfunk-Hobby hin?
Ich muss einfach wiederkommen. Und die alten Computer werfe ich auch nicht mehr weg. Das habe ich mir geschworen.
Möchten Sie auch nach Bad Laasphe ins Radio-Museum Hans Necker kommen, so beachten Sie die
Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag 14.30-17.00 Uhr.
Radiomuseum Hans Necker, Bahnhofstr. 33, 57334 Bad Laasphe, Tel. 02752/9798
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