Satellitenfunk und ISS

Funkamateure haben frühzeitig den Weltraum für sich entdeckt. Amateurfunk ist Experimentierfunk. Das heißt, oftmals wird etwas zunächst hobbymäßig probiert und dann erst für die Allgemeinheit nutzbar gemacht. Ultrakurze Wellen, UKW und UHF, breiten sich geradlinig aus. Das bedeutet, dass kurz hinter dem Horizont normalerweise nichts mehr zu empfangen ist. Eine Lösung ist die Sender auf die Bergspitzen zu postieren und wo keine Berge sind hohe Funktürme zu bauen.

Funkamateure kamen schon früh auf die Idee ihre Signale zum Mond zu schicken und diesen wie einen Spiegel zu nutzen. Dann kommt man auch an die Stellen der Erde, die dem Mond zugewandt sind, die man sonst nicht erreichen würde, weil sie hinter dem Horizont liegen. Man spricht hier von einer Erde-Mond-Erde-Verbindung EME.

Eine andere Variante ist der Bau von Satelliten. Eine Gruppe von Funkamateuren ist zusammengeschlossen in der AMSAT Gruppe. Bereits im Jahre 1961, wenige Jahre nach dem ersten Sputnik-Satelliten, wurde der erste OSCAR (Orbiting Satellite Carrying Amateur Radio)-Satellit ins All geschossen. Durch Nutzung der Satelliten, die ein empfangenes Signal verstärkt wieder aussenden, kann man ebenfalls die Reichweite der Ultrakurzen Wellen erheblich erhöhen. Hier eine Präsentation in der die AMSAT kühne Projekte, bis hin zur Eroberung des Mars, vorstellt.

Die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS sind alle Funkamateure. Die ISS hat eine umfangreiche Amateurfunkstation an Bord. Genaugenommen sind es sogar zwei, eine im Columbus Module und eine im Service Module. In der Freizeit funken die Raumfahrer mit den Funkfreunden auf der Erde. Das Rufzeichen der ISS ist NA1SS (November Alpha One Sierra Sierra). Aber jeder funkende Astronaut hat auch ein privates Rufzeichen.

Ein besonderes Highlight ist immer der Kontakt zu Schulen auf der Erde, wo die Astronauten und Kosmonauten Schülern Fragen beantworten und ihre Arbeitswelt erklären. Erst kürzlich wurde eine Verbindung zum großen Jamboree (Bundestreffen der Pfadfinder) auf dem VCP-Zeltplatz in Großzerlang in Brandenburg hergestellt und der Astronaut Paolo Nespoli, Rufzeichen: IZ0JPA, hat reichlich Fragen aus den Reihen der versammelten fast 5000 Scouts beantwortet.

Schon wenige Tage später hatte er wieder viel zu tun, als er den Youngsters on the Air (YOTA), Nachwuchs Funkamateuren, im Gillwell Park (England), Rede und Antwort stand.
In dem folgenden Mitschnitt, den ich mit einem Handfunkgerät für 30 Euro und einer Selbstbauantenne HB9CV (Material aus dem Baumarkt 10€) durchgeführt habe, beantwortet er vor allem welche Bedeutung der Amateurfunk für seine persönliche und berufliche Entwicklung zum Astronauten hatte.
Hier der Mitschnitt.

Im Mai 2018 startet wieder unser Astro-Alex, der deutsche Astronaut Alexander Gerst (Rufzeichen: KF5ONO), zu seiner zweiten Mission zur ISS. Er wird als erster Deutscher für 3 Monate das Kommando der ISS übernehmen und erst im November 2018 zurückkehren. Neben herrlichen Fotos wird er bestimmt auch wieder zahlreiche Funkkontakte zum Boden herstellen.